Hören oder nicht hören?

Heute möchte ich über den Umgang mit Liedern schreiben, deren Texte man nicht hundertprozentig gut findet bzw. unterstützen möchte, aber den Song aus musikalischer und künstlerischer Sicht brilliant findet. Oder man kennt einen Song von früher und Ansichten oder Glaubenssätze haben sich verändert. Der Song erinnert einen an „gute“ Zeiten, war vielleicht mal ein Lieblingslied und jetzt mit etwas Reife und nach genauerem Hinhören, merkt man, um was es da eigentlich geht. Da kann es einem schon ziemlich schwer fallen, diesen nicht mehr zu hören. Oder muss man sich da vielleicht gar nicht soviel Gedanken machen?

Ich versuche den Song vom Künstler zu trennen, so wie man eine Person trotzdem mögen kann, die großen Mist macht. Der Sänger von Coldplay sagte einmal „Music comes from a place we don’t know.”. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, man kann einen Song von den Umständen in denen er geschrieben wurde, getrennt annehmen. Es ist ok, ihn auf sein eigenes Empfinden anzupassen. Manchmal kann es sogar besser sein, gar nicht soviel Hintergrundwissen über ein Lied zu haben. Aber das sollte man bei jedem Lied neu für sich prüfen. Hier ein paar Beispiele, die mir in den letzten Wochen bei Youtube begegneten und mich beschäftigt haben:

Welcome to the black parade, die Cover-Version von Alex Lahey.

Was eine grandioses musikalisches Meisterwerk. Das rockt und geht unter die Haut. Und dann diese hinreißenden Musikerinnen! Aber was bitte hat es mit der „black parade“ auf sich? Mag ich nicht! Echt doof. Ich konnte es nach stundenlangen Recherchen auch nicht widerlegen, dass es sich nicht um etwas handelt, bei dem ich mich nicht „welcome“ fühle. Schade. Ich höre es trotzdem manchmal und versuche mir meine eigene Story zu dem Text zu dichten.

 

Madsen

 

alte Band aber irgendwie hab ich die erst jetzt entdeckt. Die sind echt cool, mir gefällt der teils punkige Touch der Musik und das „gerade-heraus-singen“ der Botschaften in den Liedern. Vereinzelte Textzeilen würde ich aber nicht mitsingen und könnten vielleicht auch politisch vereinahmt werden. Ich mag es nicht so, wenn sich gesellschaftliche oder politische Ansichten mit Musik vermischen, auch wenn ich die Ansichten vielleicht sogar teile. Ich möchte Musik geniessen und nicht währenddessen über den Inhalt nachdenken oder gar demonstrieren. Trotzallem hab ichs als hörbar für mich erachtet.

 

A life less ordinary von Ash.

Ja, das ist so eine Band, die ich früher hörte und vorallem diesen Song „A life less ordinary“  liebte. Und die Band hatte eine Gitarristin, was damals noch recht selten war, das fand ich gut! Natürlich achtete ich früher nicht auf den Text. Hm. Tim Wheeler singt erstmal davon dass er stoned ist, womit ich mich jetzt nicht mehr so ganz identifizieren kann ;). Und dann besingt er irgendeine weisse Gottheit, mit der ich mich auch nicht weiter auseinander setzen möchte. Manno. Doof, geht gar nicht mehr, sich sowas anzuhören!

 

Basket Case – Green day

Was ein Party – Song. Man möchte gleich mitpogen und mitgröhlen. Ja, uralter Hit, aber irgendwie bin ich da wieder drauf gestoßen. Und welch Überraschung bei Punkrock: Es geht um Drogen. Da Billie Joe Armstrong da aber wohl über sich oder jemanden singt und nicht die Drogen anbetet, kann ich das so annehmen ;). Solche Themen sollte man ja auch nicht ausblenden. Und soweit ich das recherchieren konnte, ist der Sänger ein sehr sympathischer, bodenständiger Typ (geworden?), was ich gut finde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.