Es lebe die Straße!

Wer kennt sich in Köln aus? Kennt ihr diesen Weg vom Hauptbahnhof Richtung Rheinufer? Das ist ja DER Ort in Köln für Straßenkünstler. Früher beobachtete ich dort stundenlang die Künstler bei ihren Vorstellungen. Und das waren viele. Als Künstler konnte man froh sein, wenn man einen freien Platz zum Auftreten ergatterte. Es gab teilweise einen regelrechten Konkurrenzkampf, man musste schnell sein und die Pausen der anderen nutzen, um sich dort aufzustellen.

Als ich 12 Jahre alt war begann auch ich dort meine Straßenkarriere. Im Gepäck hatte ich meine ziemlich zerbeulte Gitarre, eine handvoll Songs im Kopf und 2 Freundinnen, die mich mehr oder weniger kräftig unterstützten (danke Judith und Kathrin, keine Ahnung wo ihr jetzt steckt, habe euch gefühlt über 20 Jahre nicht gesehen…). In den Ferien verbrachten wir fast jeden Tag – dank des NRW-Ferientickets der DB – in Köln. Wir hielten dort immer Ausschau nach einer gewissen Band, die sich dort aufhielt. Und irgendwann kamen wir auf die Idee selber mit Straßenmusik anzufangen. Und so sangen wir dort lauthals die Lieder unserer Stars, in unseren wilden Klamotten zur Begleitung auf der ollen Gitarre. Ich glaube die anderen Straßenkünstler mochten uns nicht so, denn wir waren die Attraktion! An einem Nachmittag zählten wir 60 Zuhörer, Touristen aus Asien filmten uns und wir fragten uns, wer sich das wohl anschaut. Wir waren 12! Gott sei dank gab es damals noch kein Youtube! Wir haben sicher auch ne Menge Kleingeld verdient, komischerweise kann ich mich daran gar nicht mehr erinnern, war wohl damals nicht das Wichtigste für uns.

Im Laufe der Jahre kam ich immer wieder an diesen Platz in Köln zurück. Vor 10 Jahren spielten wir dort öfter mit meiner Band und gingen nachher von dem verdienten Geld Bier oder Kaffee trinken. Von der Hand in den Mund quasi.

Auf der Straße kann und muss man die Zuhörer ganz anders berühren, als bei einem Konzert. Es ist viel ehrlicher so ganz ohne Technik und Schnick-schnack. Als ich mal in Frankfurt Straßenmusik machte, spielte ich eine Weile nur für einen Menschen, der mir bewusst zuhörte, das war was ganz besonderes. Da ist dann direkt eine Verbindung da, auch wenn man vielleicht kein Wort wechselt.

Wen ich in Aachen mal auf der Straße erleben durfte war Jimmy Kelly. Er hat tatsächlich einen Großteil seiner Band – sein Street orchestra – auf der Straße gefunden. Und er hat ein sehr eindrückliches Buch über sein Straßenmusikerleben geschrieben, dass ich nur empfehlen kann. Kleine Anekdote dazu: An meinem 21. Geburtstag traf ihn meine Schwester zufällig, als er auf der Frankfurter Zeil spielte, so bekam ich mein persönliches Ständchen von ihm per Telefon. Das werde ich wohl nie vergessen 🙂

Und ich glaube, ich sollte mal wieder nach Köln mit meiner Gitarre…

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