Im Studio

An meine erste Studioerfahrung kann ich mich kaum noch erinnern. Es war mit meiner Kölner Indie-Pop-Band. Ich wohnte schon halb in einer anderen Stadt und kam nur kurz rein, um meine Lead-Gitarrenparts einzuspielen. Eine gute Leadgitarre in einer Pop-Band zu spielen, hatte ich damals total unterschätzt. Nun, ich hatte gerade frisch mein Jazz-Gitarren Studium begonnen und hatte größere Pläne und wollte doch wohl keinen Pop mehr spielen (Ironie). Mittlerweile weiß ich zumindest aus musikalischer Sicht jeden noch so einfachen Musikstil zu schätzen und ihn ernst zunehmen, sei er noch so „einfach“. Und wir Gitarristen wissen, was man alles Feines aus einer einfachen Pentatonik (5-Ton-Tonleiter) machen kann oder eben nicht…

Während meiner Zeit am Conservatorium durfte ich mit meiner Band das hauseigene Studio nutzen. Wir hatten ein paar Songs ausgewählt und wollten sie dort einspielen. Nach einiger Zeit, schickte der Toningenieur uns wieder weg und sagte mir, ich solle den Gesang nochmal üben, damit könne er nicht arbeiten. Uff, das saß! Er gab mir ein paar gute Tipps mit und zwei Wochen später konnte ich meine Gesangsspur einwandfrei einsingen. Seitdem versuche ich mich immer richtig gut vorzubereiten und vorher am besten noch Tipps von anderen einzuholen, bevor ich ins Studio gehe.

Im Winter 2010/2011 mietete ich für zwei Wochen ein Tonstudio inkl. Toningenieur in Aachen. Dafür ging mein Bafög drauf, dass ich rückwirkend auf einen Schlag erhalten hatte. Aber: Ich hatte danach mein selbstproduziertes Album in den Händen und ich kann mich noch gut an den feierlichen Moment erinnern, als ich den ersten, der vielen Kartons mit den frisch gepressten CDs öffnete. Wir waren zu acht in der Band: Streicher, Trompeter und die übliche Rhythmussection. Und wir haben diese zwei Wochen so was von gerockt. Wir haben von morgens bis oft spät abends mit Intonation, Klicks und Tempi gekämpft, wiederholt, durchgehört, umarrangiert, gemischt, gemastert… Es war eine intensive und lehrreiche Zeit. Das Album würde ich heute niemanden mehr in die Hand drücken. Man lernt dazu und manches ist peinlich. So ist das und das ist okay so. Aber die Erfahrung im Studio, das was ich damals gelernt habe, hilft mir noch heute und ich bereue es nicht.

Vor ein paar Jahren – nach jahrelanger Pause – spielte ich dann alleine in einem Studio in Offenbach bei einem Bekannten ein paar meiner selbstgeschriebenen Songs ein. Ich weiß nicht, ob ich einfach „gereift“ bin oder woran es lag, aber mein Sound (von Stimme und Gitarre) hatte sich ohne großes Zutun schlagartig verbessert. Ich stellte fest, dass ich routinierter bin, meine Stimme nicht intonationsmäßig nachbearbeitet werden muss und ich ohne Probleme mit dem Klick mithalten kann. Die Erfahrungen die ich zuvor machte, fingen an mir dienlich zu sein und setzten sich fest, sodass Gutes daraus resultierte.

Dann folgten einige Live-Recordings, die erstaunlich gut funktionierten. Manchmal hilft es, wenn man den Kopf einfach ausschaltet. Und das sollte man als Musiker sofort tun, sobald man eine Bühne betritt (zumindest wenn man vorher gut geübt hat ;)) Ab dem Moment, wenn man beginnt den Beat und die Töne zu fühlen und die Musik aus einem heraussprudelt, ist es ein beinahe spiritueller Moment, den man gar nicht anders als genießen kann und das wird man dann auch hören.

Für meine Coverband stehen nun Demo-Aufnahmen an und das ist aufregend. Vorallem, da wir alle Spuren gemeinsam einspielen. Da muss alles direkt sitzen.

Meine derzeitige Herausforderung ist es, gleichzeitig mal Leadgitarre und Leadvocals, mal Backingvocals, mal Rhythmusgitarre zu spielen. Da gibt es viel, was ich mir merken muss und ich muss oft hin und herswitschen. Ich versuche mir vorher beim Üben jeden Ton zurechtzulegen, sodass sich kein falscher Ton einschleicht und ich mich ganz auf Groove und Dynamik einlassen kann. Eine weitere Herausfordung liegt im gesanglichen Bereich. Tatsächlich merke ich, seitdem ich mehr Rockmusik singe, dass mich die sogenannte Belting-Technik beim Gesang körperlich herausfordert. Stimmbänder und Zwerchfell müssen da echt trainiert werden, sonst klingts lasch. Ich werde nun mal wieder üben gehen und freue mich schon euch bald die Aufnahmen hier zu präsentieren!

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